Der Brauch des Federnschleißens

Der Brauch des Federnschleißens bestand darin, dass sich die Frauen an langen Winterabenden in der geheizten Stube trafen und gemeinsam ihre Vorräte an Gänse- und Entenfedern zupften und säuberten, um sie in Federbetten verwenden zu können. Diese Federbetten waren oft Teil der Aussteuer der jungen Mädchen der Familien.

Im Liegnitzer Tageblatt vom 6. Februar 1935 ist dazu das folgende Gedicht in schlesischer Mundart erschienen:

Beim Fadern-Schleißa

Dar Wind dar pfefft, die Beem kreißa.
Itzt ies die Zeit zum Fadern-Schleißa.
Dar ahle Kachel-Uwa spuckt.
Mer sein a wing’ zusommgeruckt.
Die Stube ies a brinkel kleene.
As Kotzla kricht ins im die Beene.
Und nun giehts lus! Nu ward geschlissa!
Die Mittern hoot an Witz gerissa!
Soo ward ma schunt vom Lacha heeß.
Und woas die Schulza olles weeß!
Dar Korle ward a Weib sich nahma –
Die ahle Schmidten sull siech schama –
Iim Kratschm hon se Geld genumma –
Beim Pauer dimma full woas kumma –
Nee, nee, is Jugnla ies schunt doo! –
Und ei dar Miehle klopperts oo –
Beim Rupper wulln se Sunntichs teesa –
Dar ahle Krause ward verkeesa –
Die schiene Schecke hoot gekolbt –
Da ies die Nacht woas rimgeolpt,
’s Reißa ließ een gornie schloofa –
Zu full ma siech die Sammeln koosa? –
Dar Dufter ies durchs Durf gefoahn –
As LIesla krigt an schmucka Moan,
’s titt ju au woas mittebringa – – –
Mer warn amool a Liedla singa!
Wie schnell mer hinte fartig sein!
Doo schenka se schunt Koffee ein!
Und bränga au a Stickla Kuche.
Su sein mer ock die neue Wuche?
Nu doo! Nu doo! Doas ward gemacht!
Nu laabt gesund! An gude Nacht!
Wenn ma ock bahl eim Kaaste wär!
As Uffstehn fällt a brinkel schwer.
Dar Wind dar pfefft, die Beeme kreißa!
Zu schien ies doch doas Fadern-Schleißa!
(Elisabeth Halle)